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Vielleicht hast du schon von der Rasse Criollo gehört – vielleicht aber auch nicht, denn die zähen Kleinpferde sind in Deutschland noch zum größten Teil unbekannt. Dabei haben Sie einiges zu bieten! Wir stellen dir diese besondere Pferderasse einmal genauer vor und erklären, wofür der Criollo am besten geeignet ist. Du bist auf der Suche nach deinem Traumpferd? Vielleicht passt diese außergewöhnliche  Rasse ja perfekt zu dir!

Herkunft und Zuchtziel

Der Criollo stammt ursprünglich aus Südamerika und ist dort auch noch am weitesten verbreitet. Korrekt heißt der Criollo „Criollo Definitivo“. So werden die reinrassigen Pferde bezeichnet, die mindestens vier reine Ahnenlinien vorweisen müssen. Ist dies nicht der Fall, spricht man von einem Criollo Mestizo, was so viel wie Mischling bedeutet. Mit diesen Bezeichnungen unterscheidet man die Zuchtpferde von Arbeitstieren, die keine reine Linie haben und damit nicht zur Zucht erwünscht sind. Es gibt verschiedene Typen Criollos und oftmals muss man genau hinsehen, um einen zu erkennen. Das liegt daran, dass diese Rasse eine große Typenvielfalt aufweist. Dank Ihrer Heimat in Argentinien sind Criollos sehr robust und widerstandsfähig. Sie stammen von spanischen Pferden ab, die sich von Zeit zu Zeit immer weiter an die raue Umgebung angepasst haben. Heraus kam ein genügsames kleines Pferd mit einem kräftigen Körper und hoher Ausdauer. Auch extreme Hitze und dauerhafter Regen machen dem Criollo gar nichts aus. Er liebt es, das ganze Jahr im Freien leben zu dürfen. In der Pampa musste er sich an solche Bedingungen anpassen – Die Haltung im Offenstall ist für den Criollo daher meistens am besten geeignet.

Rassemerkmale des Criollo

Typisch für den Criollo ist der kompakte und muskulöse Körperbau. Der Criollo hat einen geraden Rücken und kräftige Beine.  Das Stockmaß beträgt zwischen 140 bis 150 cm und variiert stark nach Typ. Während in Südamerika die kleineren Vertreter beliebter sind, werden bei uns in Deutschland die größeren Pferde von rund 150cm Stockmaß bevorzugt.  Criollos kommen in vielen Farben vor, am häufigsten sind aber Falben und Mausfalben vertreten. Früher waren Braune und Füchse ohne Abzeichen typisch. Da der Criollo als Arbeitstier diente, war die Farbe nicht im Vordergrund der Zucht gestanden. Die großen, freundlichen Augen runden mit den kleinen Ohren das Gesamtbild ab und machen den Criollo zu einem genügsamen und geduldigen Partner. Die Rasse ist sehr geduldig und furchtlos. Außerdem haben die meisten Criollos den sogenannten Cow Sense angeboren. Das bedeutet, dass sie perfekt für die Arbeit am Rind geeignet sind, wie es vor allem in den Westerndisziplinen üblich ist. Sie zeigen keine Angst vor Rindern und haben es im Blut diese vor sich her zu treiben oder von der restlichen Herde abzuschotten. Daher sind die Criollos bei uns vor allem im Westernreitsport vertreten und halten dort mühelos mit den typischen Westernrassen mit. Ein weiteres wichtiges  Merkmal ist die enorme Ausdauer des Criollos. In Argentinien werden 14km Ritte mit schwerer Last durchgeführt. Die trittsicheren, robusten Pferde meistern diese Herausforderung aber stets mit Bravour. Sie gelten als gutmütig und unerschrocken, was sie ebenfalls ihrem Zuchtziel aus Argentinien zu verdanken haben. Schließlich brauchte man dort ein gehorsames Pferd, das nicht wegen jeder Kleinigkeit durchgeht.

Criollo in Argentinien

Eignung

Der Criollo ist ein sehr ausdauerndes Pferd, das vor allem bei Freizeitreitern für ausgedehnte Ausritte in unwegsamem Gelände immer beliebter wird. Es steckt aber noch viel mehr Potenzial in den kleinen, robusten Argentiniern! Dank ihrer Trittsicherheit und dem äußerst bequemen Gangwerk sind sie die perfekten Partner für ausgedehnte professionelle Wander- und Distanzritte. Schließslich mussten auch die Gauchos tagelang im Sattel sitzen und brauchten ein bequemes Pferd. Auch in verschiedenen Versionen des Trails machen sie eine gute Figur. Mit einem Criollo hast du in diesen Bereichen bei richtigem Training  schnell die Nase vorn! Aber auch im Westernsport findet man vor allem in den vielen Rinderdisziplinen neben den typischen Quarters und Painthorses eben auch vereinzelt Criollos als Teilnehmer. Das bedeutet natürlich nicht, dass ein Criollo nicht auch eine kleine Dressur gehen könnte! Es liegt immer daran, was dem Pferd am meisten liegt – schließlich sind Pferde genauso unterschiedlich wie wir Menschen auch.

Criollos sind zudem für Ihre große  Geduld bekannt, was die Ausbildung dieser tollen Pferde wesentlich erleichtert. Ausgebildete Criollos mit guter Basis sind tolle Anfängerpferde oder für ängstliche Reiter geeignet. Sie binden sich gerne an ihren eigenen Menschen und folgen diesem dann wohin der Weg sie auch führen mag. Mit einem Criollo hast du einen furchtlosen und treuen Partner auf Lebenszeit an deiner Seite, mit dem du eine Menge Spaß haben kannst – ganz egal für welche Sparte der Reiterei du dich begeisterst! Dabei ist es auch egal ob Criollo Definitivo oder Mestizo. Papiere machen schließlich kein tolles Pferd aus.

Die Geschichte des Criollos

Die Rasse hat eine spannende und ganz besondere Geschichte hinter sich, die wir dir hier ein wenig näher bringen möchten.

Der Criollo entwickelte sich nach und nach wie oben beschrieben aus spanischen Rassen, die unterschiedlich gekreuzt wurden. Je nachdem, was eben gerade zur Verfügung stand. Daher kommt auch das Aussehen – wie kleine Iberer! Einige Kreuzungen besaßen auch Araberblut oder waren mit Kaltblütern gemischt worden. Durch die harten Bedingungen im Lebensraum der Criollos begann ein natürlicher Prozess, der die Tiere die dafür ungeeignet waren aussortierten. Es überlebten also nur die widerstandsfähigsten und zähesten Pferde.  Gezielt gezüchtet wurden Criollos erstmals von den Indianern und den Rinderhütern. Sie behielten nur die Pferde, die am willigsten und am einfachsten waren. So entstand der ruhige und freundliche Charakter, der so typisch für Criollos ist. Schließlich waren sie von zuverlässigen Arbeitspferden abhängig – mit einem schreckhaften Pferd konnte ein Indianer nicht erfolgreich jagen und ein Gaucho (So nennt man die Viehhirten Südamerikas) hatte keine Chance bei der Arbeit mit seinen Rindern. Bekannter wurden die Criollos erst, als der Schweizer Tschiffely mit seinen beiden treuen Criollos namens Mancho und Gato von Argentinien bis in die vereinigten Stadten ritt. Eine weite Strecke von mehreren tausend Kilometern! Damit setzte er einen Meilenstein für diese Rasse, deren Ausdauer und Trittsicher damit mehr als bewiesen wurde. Jeder wollte nun einen Criollo.

Creole Horses

Nach diesem Erfolg, der die Menschen in Bewunderung versetzte, wurde die Rasse immer beliebter und es folgten Zuchten, aus denen tatsächlich verschiedene Typen des Criollo hervorgingen. Daher kommt auch die große Vielfältigkeit der Rasse. So hatten etwa Brasilien, Uruguay, Chile und die peruanische Gegend ganz eigene Criollos, die leichte Unterschiede aufwiesen. In der heutigen Zeit weiß man, dass die Mischung der besten Blutlinien zum besten Zuchtergebnis führt. Criollos aus Chile sind etwa bekannt für ihre große Leistungsbereitschaft und werden vor allem in  Zuchten mit Schwerpunkt Sport verwendet. Criollos mit der Herkunft Chile sind klein, aber besonders kompakt und muskulös, was sie zu kleinen Kraftpaketen macht. Inzwischen werden Criollos vor allem in Argentinien und Uruguay gezüchtet, wehalb diese Länder das Zentrum der Zucht bilden. Die Technik schreitet voran und so werden Criollos immer weniger als Arbeitstiere, dafür immer häufiger im großen Westernsport verwendet. Reining, Speed Trail oder Rinderdisziplinen – Criollos sind echte Allrounder im Sport.  Heute wird vor allem ein sportlicher Criolle mit athletischem Körper und feinen Bewegungen gezüchtet, wodurch der alte Schlag dieser Pferde ein wenig in Vergessenheit gerät und sicher eines Tages verloren gehen wird. Criollos definitivos bekommen auch in Argentinien nach genauer Prüfung Papiere und ein  Brandzeichen. Mestizos und auch Pferde, die keine besonderen sportlichen Leistungen erbringen, sondern nur als Ranchpferde dienen sollen, bekommen in der Regel keine Papiere, da es einfach nicht nötig ist.

Die Criollos blicken aber auch auf ein dunkles und trauriges Kapitel zurück… Vor ungefähr 50 Jahren wurden tausende Pferde mit einem großen Transportschiff in Italien als Criollos verkauft.  Leider handelte es sich hier aber nur um billige Schlachtpferde aus Südamerika. Somit sparten die Importeure teure Zollkosten an den Grenzen. Die Pferde wurden unter schlimmen Bedingungen unter Deck des Schiffes festgebunden und hatten kaum Raum sich zu bewegen. Einige überlebten diese furchtbaren Transporte nicht. Unter ihnen waren nur sehr wenige Criollos, die überwiegende Mehrzahl waren Mestizos – Criollo  Mischlinge ohne jegliche Papiere. Warum sich diese „Criollos“ so gut verkauften? Die Rasse galt als tolles Arbeitspferd und war damit sehr beliebt unter den Ranchern. In Deutschland halten viele wegen dieser Geschichte Abstand zur Criollo Zucht. Dabei ist ein Mischling keinesfalls ein schlechtes Pferd! Auch mit einem Mestizo kann man einen wunderbaren Partner an der Seite haben. Die meisten in Deutschland gezüchteten Criollos sind beim Bayerischen Zuchtverband für Kleinpferde und Spezialpferderassen eingetragen, wo auch eine Hengst- und Stutleistungsprüfung angeboten wird, die den schweren Prüfungen aus Südamerika ähnelt und damit die große Leistungsbereitschaft der Criollos beweist!

Criollo Herde

Fazit – liebenswert besonders

Egal wie die Geschichte dieser faszinierenden Rasse auch ist – Wir lieben Criollos und sind der Meinung, dass dieser ganz besonderen Pferderasse viel mehr Aufmerksamkeit in Deutschland  geschenkt werden sollte. Sowohl die Zucht als auch im Sport. Denn die kleinen Südamerikaner sind nicht nur zäh und ausdauernd sportlich, sondern haben auch noch einen wundervollen Charakter und eine starke Persönlichkeit. Was denkst du über die Criollos? Vielleicht dein neuer Favorit am Pferderassenhimmel? Wenn du mehr wissen willst, hilft dir ein Criollo Gestüt bestimmt gerne weiter. Wir sind gespannt, wie sich die Bekanntheit der Criollos entwickeln wird und ob man sie bald öfter auf Turnieren aller Art und in heimischen Ställen bewundern darf.